Auf einmal stand uns die ganze Welt offen. Dafür müssen wir buchstäblich nur noch einen Finger rühren. Emails, Nachrichten, soziale Medien, das Wetter oder gar die Reservierung des nächsten Restaurantbesuchs. Mit einem Wisch oder Tipp können wir im Zeitalter des Smartphones so gut wie alles, überall und jederzeit erledigen. Dabei merken wir gar nicht, wie uns das Smartphone nach und nach kaputt kriegt.

Lesedauer: 4 Minuten!

Jeder kennt das Gefühl. Man sitzt in einer Besprechung, an der Bushaltestelle oder muss ganze 45 Sekunden an einer Ampel warten. Langeweile kommt auf und fast unbewusst gleitet die Hand in die Tasche. Das Smartphone wird herausgeholt, entriegelt und irgendwas Unbedeutendes nachgeschaut. Es hilft die Langeweile und schier endlos wirkenden Sekunden zu überbrücken bis die Ampel endlich grün wird oder der Kollege (endlich) aufgehört hat zu reden. Was er erzählt… Keinen Dunst. Von der Allgemeinheit als normal angesehen, kann diese Tatsache zu einem ernsthaften Problem werden – auch für die geistige und körperliche Gesundheit. Der Ausweg ist allerdings genauso einfach wie die Nutzung des Smartphones.

Die durchschnittliche Smartphone Nutzung in Zahlen*:

  • 214 Mal am Tag: 3 Stunden und 16 Minuten
  • 1500 Mal die Woche: 22 Stunden
  • Entriegelung alle 5 Minuten
  • 100 Nachrichten am Tag

*Studie der britischen Marketingagentur „Tecmark“.

So absurd es klingt. Wir verbringen fast einen gesamten Tag unserer Woche am Smartphone. Sei es auf der Arbeit, beim Sport, im Kreise von Freunden und der Familie oder gar während der Autofahrt (Am Steuer sitzend wohlbemerkt). Anstatt miteinander zu reden, zu diskutieren und zu lachen, gilt unsere Aufmerksamkeit über das Smartphone nichtanwesenden Personen. Man kann sogar eine Smartphonehalterung für den Kinderwagen kaufen, mit dem Smartphone versteht sich. Ergo wir ziehen das Smartphone dem eigenen Kind vor. Zugegeben, das Smartphone kann man abstellen… Und das ist nicht mal ein Scherz, sondern traurige Realität. Das Smartphone lehrt uns nämlich: Es geht alles, überall und jederzeit. Das normale Leben funktioniert so aber nicht. Das ist aber gar nicht schlimm. Denn die besten Freundschaften, Karrieren, Ideen oder Gemeinschaften funktionieren nicht von jetzt auf gleich, sondern benötigen Zeit.

Gleichgesinnte und Multitasking

In sozialen Medien liken wir Dinge, die uns gefallen, damit andere sehen, dass Sie uns gefallen, auch wenn Sie uns vielleicht gar nicht gefallen. Wir sind auf der Suche nach Gleichgesinnten, die unsere Posts liken und uns Anerkennung schenken. Viele machen davon ihr Selbstwertgefühl abhängig.

Ein weiteres Problem ist das Multitasking, dass mit den modernen Medien einhergeht. Selten konzentrieren wir uns nur noch auf eine einzelne Sache und geben uns dieser voll und ganz hin. Man erledigt lieber viele Sachen gleichzeitig. Das verändert nach und nach unser Gehirn, das wir so darauf trainieren sich genau nach diesem Multitasking zu sehnen. Die jeweiligen Folgen sind nicht von der Hand zu weisen und vor allem nicht zu unterschätzen. 

Aus Weiterentwicklung wird Rückentwicklung

Von Depressionen und Konzentrationsschwierigkeiten, über Nackenbeschwerden bis hin zur Kurzsichtigkeit gibt es unzählige negative Folgen. Die jedoch wohl schwerwiegendste Folge ist, dass wir nach und nach verlernen sozial zu interagieren. Wir verlieren die Fähigkeit normale Konversationen zu führen und schreiben lieber Nachrichten oder Emails als mit Leuten zu telefonieren. Viele, gerade jüngere, können bei Konversationen dem Gegenüber nicht mal permanent in die Augen sehen. Das ist ein Problem!

Auch in modernen Büroeinheiten lässt die Kommunikation immer mehr nach. Sei es durch die körperliche Abwesenheit im „Home Office“ oder durch die geistige Abwesenheit bedingt durch Smartphones, Tablets oder gar Smart Watches. Von unseren Kollegen wissen wir eher welche gb Größe das neue Iphone hat, als die Anzahl der Geschwister oder Namen der Kinder. Die soziale Abschottung wirkt sich dabei auch negativ auf die Produktivität in vielen Unternehmen aus. Es wird weniger diskutiert, sich ausgetauscht oder Fragen gestellt. Das verhindert neue Ideen bzw. Fortschritt. Die Lösung dafür ist ebenso einfach wie genial. Wenn sie ein Problem haben, googeln sie nicht oder schreiben sie keine Whatsapp. Gehen sie zu Ihrem Kollegen und diskutieren darüber. 

Verzicht ist nicht die Lösung!

Trotz vieler negativer Folgen bedeutet das nicht, dass man auf das Smartphone verzichten sollte. Dafür ist es einfach zu nützlich und zugegeben, viele Dinge gehen ohne Smartphone heutzutage einfach nicht mehr. Allerdings gibt es noch genug Dinge, die auch ohne Smartphone funktionieren.

Deshalb legen Sie Ihr Smartphone mal beiseite wenn Sie mit Ihrem Kind spielen, in einer Besprechung sitzen oder im Restaurant. Konzentrieren Sie sich lieber auf das was um Sie herum geschieht, diskutieren Sie, lachen Sie und probieren Sie etwas Neues aus. Und damit ist nicht Snapchat anstelle von Facebook gemeint!

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